11. Juni 2012

Tool Time

Ich habe schon so lange davon gesprochen, dass ich "mal was Längeres" schreiben will, dass nach einer Weile wahrscheinlich niemand noch weniger daran geglaubt hat als ich. Aber glauben ist ja immer ein intellektuelles Risiko. Also bin ich mittendrin und habe gerade eine gewisse Freude daran entwickelt, neue Tools auszuprobieren.



1. Scrivener

Zwischen dem Tipp einer tollen Freundin und dem Runterladen der Testversion ist gehörig viel Zeit verstrichen. Die hätte ich besser nutzen können. Nun weiß ich es wiederum besser und habe schon viele Freunde und Bekannte auf allen Kanälen mit Werbung für meine Entdeckung belästigt. Ich habe nicht viel Erfahrung mit Schriebprogrammen. All meine Kurzgeschichten sind in OpenOffice entstanden und ich war lange sicher, mehr nicht zu brauchen.

Scrivener ist in diesem Sinne eine ziemliche Offenbarung. Es hilft mir dabei, den Text zu strukturieren, bietet unterschiedliche Templates und lässt sich ganz nach Textsorte anpassen - so gibt es z.B. Vorlagen für Romane, Drehbücher oder Non-Fiction. Ich habe alles, was sonst wahrscheinlich irgendwo in irgendeinem Ordner in n Extradateien vergessen würde, in einer Art virtuellem Leitz-Ordner stets zur Stelle. Scrivener bietet also eine Oberfläche für verschiedene Textbausteine - Figurenbeschreibungen, Handlungsorte, Recherchiertes, und natürlich den Hauptteil. Das ist beliebig erweiterbar und bleibt immer übersichtlich. Es gibt Scrivener für Windows, Linux und MacOS. Ich bin ein großer Fan.

http://www.literatureandlatte.com/scrivener.php



2. Die "Snowflake Method"

Okay, eine Schreibmethode. Sowas fand ich immer blöd. Und zugegebenermaßen macht die Website für die Snowflake-Methode auch erstmal einen ziemlich cheesy Eindruck. Und dann hat der Typ auch noch Writing Fiction for Dummies verfasst - geht gar nicht! Hätte nicht Tom Manegold, Periplanetaner und hochgeschätzter Autor, mir diesen Tipp gegeben, ich wär wahrscheinich nicht erst auf der Website gelandet. Aber nun ergibt das alles doch irgendwie einen Sinn. Der Autor der Website hat eine Methode entwickelt, die simpel genug ist, um zu funktionieren, und die Autoren eine Art Richtlinie für das Design eine Romans bietet. Verknappt gesagt, funktioniert Randy Ingermansons Romanrichtlinie ein wenig wie ein Fraktal, so wie eben auch eine Schneeflocke eines ist, das sich von einer simplen zu einer immer komplexeren Form entwickelt.

Zugegeben wirkt das Ganze erstmal recht populärwissenschaftlich, jovial-väterlich und hochgradig artifiziell. Aber ich habe Gefallen an der Idee gefunden, mit etwas ganz Einfachem zu starten. Zum Beispiel eben mit einem Satz, der die Handlung des Romans auf den Punkt bringt. Und von dort aus kann man recht systematisch weiterarbeiten, vom Stöckchen aufs Ästlein kommen und am Ende kennt man sich entweder gar nicht mehr aus, sieht die Flocke vor lauter Flöckchen nicht, oder hat einen hervorragenden Roman geschrieben. Viel Erfolg.

http://www.advancedfictionwriting.com/art/snowflake.php


3. Charcount

Okay, jetzt wird's etwas trivial. Aber ich bin nicht gut im Kopfrechnen, und obwohl Scrivener ♥ die Zahl der Anschläge permanent einblendet, kann ich mir unter den Zahlen oft nichts vorstellen. Charcount rechnet einen per Copy & Paste eingegebenen Text sofort um - ganz gängig in Normseiten! Yay! Da freut sich auch der Verleger, wenn die Frage, wie lang das Manuskript ist, so zackig und präzise beantwortet werden kann.


http://charcount.com/de


4. Die Normseite 


Wer wissen möchte, was eine Normseite ist, wird hier ausgiebig informiert. Wer das nciht wissen möchte, scrollt nach unten und profitiert von Vorlagen (in verschiedenen Dateiformaten).

http://www.literaturcafe.de/normseite-dokumentvorlage-download/ 




5. Handtuch für Autorinnen & Autoren


Das Handbuch für Autorinnen & Autoren kann man nicht genug loben. Das ist eine wirklich gute Investition und ich möchte nicht wissen, wie viel Arbeit es gekostet hat, all die Adressen, Tipps und Praxisbeispiele zusammenzustellen. Noch dazu ist es toll gestaltet.

Aber mal ehrlich, eigentlich wollen wir ja alle nur schreiben und möglichst nicht mit too much info belästigt werden. Also ab in den Park, Laptop oder Notizheft einpacken, und los geht's. Auf dem Handtuch für Autorinnen & Autoren liegt es sich dabei besonders schön. Viel Spaß!

http://www.uschtrin.de/handtuch.html

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